
Automatisierungen begegnen uns ständig: der Kaffeevollautomat, der Geschirrspüler, das Navi. Sie sparen Zeit, Nerven und eröffnen neue Möglichkeiten. Mit Google Ads Scripts geht das auch in deinem Werbekonto. Routinearbeiten laufen automatisch, Fehler fallen früher auf und du hast mehr Zeit für das, was wirklich Wirkung zeigt.
Auf dem OMT 2025 habe ich dazu einen Impulsvortrag für Einsteiger gehalten: für alle, die noch gar nicht mit Scripts gearbeitet oder nur erste Gehversuche gemacht haben. Dieser Artikel fasst die Inhalte zusammen. Die Folien gibt es als Handout zum Vortrag (PDF).
Was sind Google Ads Scripts?
Google Ads Scripts sind kleine Code-Snippets auf JavaScript-Basis, die direkt in deinem Google-Ads-Konto laufen. Sie übernehmen Aufgaben von einfachen Checks bis zu komplexen Workflows: Berichte erstellen, Budgets überwachen, Keywords prüfen, Änderungen vornehmen und dich per E-Mail informieren.
Was du davon hast:
- Zeitersparnis: Berichte und Alerts laufen automatisch, manuelles Prüfen entfällt.
- Sicherheit: Probleme wie kaputte Links oder überzogene Budgets fallen früher auf.
- Performance: Du optimierst schneller und regelmäßiger, zum Beispiel bei Keywords, die nur Geld kosten.
Für den Einstieg musst du nicht programmieren können. Es gibt drei Stufen, die aufeinander aufbauen.
Weg 1: Integrierte Lösungen in Google Ads
Google bietet direkt im Konto fertige Lösungen an, die im Hintergrund als Script laufen. Du findest sie unter Tools › Bulk-Aktionen › Lösungen. Statt Code siehst du ein Formular.
Ein gutes Beispiel ist die Linkprüfung. Sie prüft regelmäßig, ob die Ziel-URLs deiner Anzeigen und Keywords erreichbar sind. Einrichten musst du nur:
- einen Namen
- optional ein Label, um die Prüfung auf bestimmte Kampagnen zu begrenzen
- welche URLs geprüft werden
- welche Fehler gemeldet werden sollen
- an wen die E-Mail geht
- wie oft die Prüfung läuft
Fertig. Kein Code, keine Fehlerquellen. Für viele Standardaufgaben ist das der schnellste Weg zur ersten Automatisierung.
Weg 2: Script-Vorlagen von Google
Eine Stufe weiter gehen die Vorlagen im Script-Bereich (Tools › Bulk-Aktionen › Skripts). Beim Anlegen eines neuen Scripts kannst du aus einer Liste fertiger Vorlagen wählen. Hier siehst du zum ersten Mal echten Code, musst ihn aber nicht verstehen, um ihn zu nutzen.
Viele Vorlagen arbeiten mit einem Konfigurations-Sheet: Du kopierst ein Google Sheet, trägst dort deine Einstellungen ein und hinterlegst die Sheet-URL im Script. Danach autorisierst du das Script, damit es auf dein Konto, das Sheet und den Mailversand zugreifen darf. Vor dem ersten echten Lauf startest du es über Vorschau: Der Code läuft komplett durch, Änderungen werden aber nur simuliert.
Auf der Developers-Seite zu Google Ads Scripts findest du außerdem viele Beispiele für einzelne Aufgaben: gängige Methoden für Kampagnen, Anzeigengruppen und Keywords, Bulk-Uploads und Berichte, spezielle Methoden für Verwaltungskonten (MCC) sowie für Erweiterungen und Targeting.
Weg 3: Scripts von Drittanbietern und Communities
Wenn weder Lösungen noch Vorlagen passen, hat sehr wahrscheinlich schon jemand anderes ein Script für dein Problem geschrieben. Gute Anlaufstellen:
- ads-scripts.com von Holger Schulz: deutschsprachiger Shop mit Scripts für viele Anwendungsfälle
- adsscripts.com: Sammlung von Scripts mit Erklärungen (englisch)
- Brainlabs-Repository auf GitHub: frei verfügbare, gut kommentierte Scripts, allerdings seit 2023 nicht mehr aktualisiert
- freeadwordsscripts.com: Klassiker aus der AdWords-Zeit, seit 2018 ruhig, aber als Ideensammlung nach wie vor hilfreich
- GitHub allgemein: Suche nach „Google Ads Scripts“
Ein Wort zur Vorsicht: Ein Script, das du einfügst, darf in deinem Konto Änderungen vornehmen. Nutze nur Quellen, denen du vertraust, und teste fremde Scripts immer zuerst in der Vorschau. Ältere Scripts verwenden teilweise Syntax, die in der aktuellen Script-Umgebung nicht mehr funktioniert.
Dein erstes eigenes Script
Manche Anforderungen lassen sich mit keiner Vorlage abbilden. Dann lohnt sich ein eigenes Script. Damit hast du volle Kontrolle und kannst eigene Alerts und Workflows bauen, individuelle Kennzahlen berechnen und die Logik deines Geschäfts abbilden.
Was du mitbringen solltest
- Grundverständnis von JavaScript: Variablen, Schleifen, Bedingungen
- Die Datenstruktur von Google Ads: Konto, Kampagne, Anzeigengruppe, Keyword und wie sie zusammenhängen
- Logging und Fehlersuche: Mit
Logger.log()schreibst du Zwischenstände ins Protokoll, mitSpreadsheetAppin ein Google Sheet
Verlässliche Quellen
- die offizielle Dokumentation zu Google Ads Scripts, vor allem die Referenz, die nach Entitäten gegliedert ist
- Stack Overflow für häufige Fragen
- die oben genannten GitHub-Repositories, gerade die gut kommentierten, zum Lernen am Beispiel
Ideen für den Anfang
- Performance-Daten regelmäßig in ein Google Sheet exportieren
- eine Alarm-Mail, wenn der CPC über einen Grenzwert steigt
- Keywords ohne Conversions automatisch pausieren
Mini-Beispiel: Keywords ohne Conversions pausieren
Die letzte Idee zeigt die Grundlogik fast jedes Scripts in wenigen Zeilen:
function main() {
const keywords = AdsApp.keywords()
.withCondition('ad_group_criterion.status = ENABLED')
.withCondition('metrics.clicks > 100')
.withCondition('metrics.conversions = 0')
.forDateRange('LAST_30_DAYS')
.get();
while (keywords.hasNext()) {
const keyword = keywords.next();
if (keyword.getText().includes('markenname')) {
continue; // Marken-Keywords nie pausieren
}
keyword.pause();
Logger.log('Pausiert: ' + keyword.getText());
}
}
Drei Bausteine stecken darin:
- Auswahl:
AdsApp.keywords()mitwithCondition()undforDateRange()holt genau die Elemente, die dich interessieren, hier aktive Keywords mit mehr als 100 Klicks und keiner Conversion in den letzten 30 Tagen. - Schleife:
while (keywords.hasNext())geht die Treffer einzeln durch. - Bedingung: Mit
ifbaust du einfache Logik ein, etwa Ausnahmen für Marken-Keywords.
Den Grenzwert von 100 Klicks passt du an dein Konto an. Lass das Script vor dem ersten echten Lauf unbedingt in der Vorschau laufen und prüf im Protokoll, welche Keywords es pausieren würde.
So arbeitest du mit Scripts
Scripts laufen ausschließlich in Google Ads. Es gibt keine lokale Entwicklungsumgebung, du kannst sie nicht auf deinem Rechner ausführen und nicht im Terminal debuggen. Geschrieben und getestet wird im Online-Editor in Google Ads. Längeren Code kannst du in einem Editor mit Syntax-Hervorhebung vorbereiten und per Copy-and-paste übernehmen.
Wie ein komplettes Script Schritt für Schritt entsteht, zeigt der Artikel Dein erstes Google Ads Script am Beispiel automatischer Placement-Ausschlüsse.
KI als Co-Pilot, nicht als Autopilot
KI-Assistenten sind beim Einstieg eine echte Hilfe. Sie können Code generieren, erklären und optimieren. Typische Einsatzfelder:
- schneller Einstieg in die Syntax
- Beispiel-Scripts als Ausgangspunkt
- Erklärungen und Kommentare zu bestehendem Code
- Hilfe bei der Fehlersuche
Aber: KI halluziniert auch. Sie erfindet Methoden oder Objekte, trifft falsche Annahmen über dein Konto und vermischt die Script-Umgebung mit der Google Ads API, die anders funktioniert. Deshalb ein paar Regeln für den sicheren Einsatz:
- Gegen die offizielle Dokumentation prüfen: KI kann Methoden erfinden oder falsch benennen.
- Schrittweise testen: Fehler stecken oft im Detail, die Vorschau ist dein bester Freund.
- Grundverständnis aufbauen: Ohne eigenes Verständnis ist keine Qualitätskontrolle möglich.
- Kommentare und Logs ergänzen: Das hilft beim Verstehen und bei der Fehlersuche.
- Minimal-Beispiele nachvollziehen: Lass dir Code erklären und versuch, ihn selbst nachzubauen.
Mein Fazit: KI ist ein echter Produktivitäts-Booster und beschleunigt die Lernphase deutlich. Sie ersetzt aber nicht das Verständnis und liefert gelegentlich falsche Antworten. Setz sie gern als Co-Pilot ein, aber nicht als Autopilot.
Fazit
Der Einstieg in Google Ads Scripts ist leichter, als viele denken. Fang mit den integrierten Lösungen an, probier dann Vorlagen und Scripts aus der Community aus und wag dich anschließend an dein erstes eigenes Script. Mit der offiziellen Dokumentation, einem kleinen konkreten Problem und KI als Sparringspartner bist du schneller dabei, als du denkst.
Dieser Artikel ist 2025 zuerst bei adtraffic als Zusammenfassung des Vortrags auf dem OMT erschienen und wurde für rsc24 ausführlich überarbeitet und ergänzt.
Erstveröffentlichung: www.adtraffic.de
